In den letzten Jahrzehnten haben sich die einzelnen CAD-, CAM-, PLM-, ERP- und anderen Konstruktionsprogramme zu größeren, komplexeren und umfassenderen Plattformen entwickelt. Um aber eine wirklich ganzheitliche, unternehmensweite Lösung zu entwickeln, bedarf es mehr als nur der Zusammenführung von Programmen unter einer gemeinsamen Benutzeroberfläche.

Konstrukteure im modernen Maschinenbau müssen heute eine Vielzahl von Aspekten berücksichtigen, bevor sie ein Konzept erstellen. Ob bei einem Auto oder Flugzeug, spielen Einkauf, Lieferkette, Herstellbarkeit, Marketing, Qualität sowie Umweltaspekte wie Wiederverwertbarkeit und Entsorgung am Ende der Lebensdauer eine wichtige Rolle im Entwicklungsprozess.

Martin Nölle, Co-Leader von TECHNIA Software & Global Services, sprach kürzlich mit Jim Anderton von engineering.com über das Ziel, technische Entwicklungen zu vereinfachen.

Integration in der Konstruktion ist der Schlüssel

Entscheidend für den Fortschritt ist heutzutage die Integration. Doch vor nicht allzu langer Zeit konzentrierte sich die IT im technischen Bereich nur auf die Konstruktion. Ingenieurteams entwickelten Komponenten und Baugruppen, skizzierten sie und gaben sie dann für die Fertigung frei. Im Grunde war das nichts anderes als die digitale Version von Bleistift und Papier. Heutzutage wird von Ingenieuren erwartet, dass sie weit mehr beherrschen als nur die rein mechanische Konstruktion eines Bauteils. Doch wie hat sich die Software an diesen Wandel angepasst?

“Wir haben eine Menge bedeutende Fortschritte erzielt, wie die Anreicherung der 3D-Daten. Wir haben uns von Zeichnungen verabschiedet und haben alle für die Herstellung erforderlichen Informationen in 3D. Wahrscheinlich kennen Sie sich mit 3D-Master oder modellbasierter Definition aus. Wir haben viele Validierungstools für die Automatisierung von technischen Abläufen eingebaut, und ich denke, in den letzten Jahren ist es uns gelungen, eine umfassende Übersicht über das virtuelle Produkt zu erhalten. Das bedeutet, dass wir Silos abbauen, wir bauen digitale Zwillinge ein, mit denen wir erkennen können, was das Modell in der Produktion ist, was wirklich vor Ort gebaut wird, was geändert wurde, und wir können eine vorausschauende Wartung durchführen.”

Martin Nölle
Co-Leader TECHNIA Software & Global Services | TECHNIA

Heutzutage müssen Konstrukteure, um optimale Konstruktionsverfahren zu entwickeln, nicht nur die Leistung des Produkts berücksichtigen, sondern zum Beispiel auch die Auswirkungen auf die Umwelt. Was geschieht mit einem Produkt, wenn es das Ende seiner Nutzungsdauer erreicht hat? Wie lässt es sich recyceln? Damit ist PLM nun ein wesentlicher Bestandteil des Entwicklungsprozesses für die Produktlebensdauer. Werden also Ihrer Meinung nach Ingenieure in Zukunft mehr über PLM nachdenken?

“Wenn man sich globale Ökosysteme ansieht, arbeitet ein Zulieferer für mehrere Automobilhersteller oder Luft- und Raumfahrtunternehmen. Sie verwenden bereits mehrere unterschiedliche Systeme und haben ihre liebe Mühe, mit all diesen zurechtzukommen. Und dann gibt es Unternehmen, die andere Unternehmen kaufen oder einen Teil ihres eigenen Unternehmens verkaufen. Ich denke also, wir müssen die Frage, wie weit wir alles in einen einzigen Workflow integrieren können, pragmatisch angehen.

Wir müssen versuchen, alles in einen guten und soliden Prozess zu überführen, den Überblick über die Systemkontinuität während des gesamten Prozesses behalten. Ich denke, es geht vor allem darum, dass wir bei diesen Integrationen eine einheitliche Sichtweise auf das Produkt haben. In diesem Bereich müssen wir zügig voranschreiten.

Martin Nölle
Co-Leader TECHNIA Software & Global Services

Integrationen mögen bei großen Unternehmen gut funktionieren. Aber man sollte auch an die vielen Hunderte von Zulieferern dieser Unternehmen denken. Früher galt, dass Integration innerhalb eines einzigen Unternehmens stattfindet, aber jetzt ist auch die Integration zwischen den einzelnen Zulieferern ein Thema. Geht es in Zukunft in diese Richtung?

“Ganz genau, und dafür haben wir eine Lösung entwickelt, ein sehr solides Supplier Hub. Für die Zusammenarbeit mit den Zulieferern müssen wir von der reinen Weitergabe von Informationen wegkommen. Wir brauchen Systeme, mit denen wir die Informationen zurückverfolgen können, mit denen wir später nachvollziehen können, was wann genau passiert ist, wie dieser Prozess ablief, z. B. die einzelnen Schritte beim Einkauf, wie man das zurückverfolgen kann. Natürlich ist alles online, alles läuft darauf hinaus, dass wir eine pragmatische Integration zwischen Lieferanten und sogar Unterlieferanten, also Tier-2- und Tier-3-Lieferanten, anstreben, wie Sie sehr zutreffend sagten.“

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Martin Nölle
Co-Leader TECHNIA Software & Global Services | TECHNIA

Komplexität in der Konstruktion minimieren

Ein guter Ingenieur zeichnet sich dadurch aus, dass er nach Einfachheit strebt. Selbst komplizierte Systeme sind oft so einfach wie möglich und völlig zurecht versuchen Ingenieure, die Komplexität zu minimieren, wo immer dies machbar ist. Die riesigen integrierten Softwarepakete sind ziemlich kompliziert. In vielen technischen Unternehmen wird dann oft eine einzelne Person zum Hauptverantwortlichen für die Einführung dieser neuen Software, und dazu vielleicht gleich noch zum Schulungsleiter oder Produktberater im gesamten Unternehmen.

Heutzutage sind aber die Schulungen und der Support, die Sie für diese großen Pakete benötigen, stets online und in Echtzeit verfügbar. Wenn also ein Unternehmen die Einführung eines integrierten Pakets in Erwägung zieht, wie sollte es dann mit der Schulungs- und Supportfunktion umgehen? Denn vom Start der Software bis zur effektiven Nutzung kann es lange dauern.

Zunächst einmal gefällt mir Ihre Anfangsbemerkung. Wir haben stets die Benutzer im Hinterkopf, wenn wir ein neues System entwickeln; wir müssen die Benutzer und natürlich auch die Entscheidungsträger dafür gewinnen, es zu nutzen.

Aber letztendlich entscheiden immer die Anwender, ob sie das System mögen, ob sie es benutzen oder nicht. Sie haben ja auch gesagt, dass man bei komplexen Prozessen dazu neigt, komplexe Tools dafür zu entwickeln. Wir versuchen, da pragmatisch zu bleiben. Wir sind ja nun erfahren genug, um mit den Kunden zu sprechen, bevor sie zu weit gehen. Wir schauen uns ihre technischen Prozesse an und helfen ihnen, pragmatische Lösungen zu finden und keine zu großen Systeme zu erschaffen.

Außerdem nutzen ja 80 % der Benutzer nur 20 % der Funktionen. Vielleicht können wir für diese Benutzer sehr einfache Schnittstellen einrichten, mit denen sie diese einfachen Aufgaben – ein Teil finden, ein neues Teil erstellen – ganz leicht erledigen können.

Und wenn die Nutzer mit komplexeren Aufgaben konfrontiert werden sollen, können wir vielleicht App-Schulungslösungen einbauen. Diese digitalen Adaptionslösungen zeigen den Benutzern genau, wie sie Schritt für Schritt vorgehen müssen. Und wenn eine Kollaborationsplattform etwas komplexer wird, dann verstehen wir den entsprechenden Kontext, in dem sich der Nutzer gerade befindet, und wir geben ihm die jeweils passenden Informationen.”

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Martin Nölle
Co-Leader TECHNIA Software & Global Services | TECHNIA

Nach unserer Erfahrung …

Auf dem Markt gibt es viele, viele Anbieter von Konstruktionssoftware. Einige dieser Reseller sind auch Integratoren, das heißt, sie können viele Produkte zu einer maßgeschneiderten Lösung kombinieren. Nur wenige von ihnen schreiben tatsächlich Code, entwickeln Module oder Add-Ins. Wie können Manager im technischen Bereich entscheiden, an welchen Anbieter sie sich wenden, um die beste Lösung für ihre die spezifischen Herausforderungen ihres Unternehmens zu finden?

“Wenn man einen Anbieter auswählt, sollte man meiner Meinung nach einem Partner Ausschau halten, mit dem man zusammenarbeitet, dessen Feedback man schätzt und mit dem man versucht, gemeinsame Lösungen zu erarbeiten, anstatt nur einen Top-Down-Ansatz zu verfolgen, bei dem irgendjemand das erledigt, was man von ihm verlangt.  Ich glaube, bei diesen Projekten entsteht gewissermaßen eine gemeinsame Vertrauensbasis. Nach meiner Erfahrung sind die Projekte erfolgreicher, bei denen wir von Anfang an Teil der Planung sind, bei denen wir helfen, pragmatisch zu bleiben, die Teamarbeit zu fördern und gemeinsam zu den besten Ergebnissen zu kommen.”

Martin Nölle
Co-Leader TECHNIA Software & Global Services | TECHNIA

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