Vision einer Futuristin: Nachhaltiges, exponentielles Geschäftsfeld

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Um vorherzusagen, was die Zukunft bringt, muss man ständig die Welt scannen. Und man muss versuchen, das zu erschaffen, von dem man glaubt, dass es so bald wie möglich verfügbar sein sollte.

Um vorherzusagen, was die Zukunft bringt, muss man ständig die Welt scannen. Und man muss versuchen, das zu erschaffen, von dem man glaubt, dass es so bald wie möglich verfügbar sein sollte.

Anfang des Jahres publizierte SustainAbility “What’s Next for Sustainable Business? (”Wie geht es mit nachhaltigem Business weiter?”). Dabei handelt es sich um einen globalen Bericht, in dem drei Schlüsselziele für nachhaltiges Business mit Blick auf das Jahr 2019 identifiziert wurden. Transparenz fördern, Engagement auch jenseits des Technologiesektors zeigen und die ökologischen Auswirkungen verstehen.

Durch die Kundennachfrage wurden die innovativsten Technologieunternehmen gedrängt, eine zentrale, progressive Position in diesem Bereich einzunehmen. Während nachhaltige Praktiken für viele noch eine ernste Herausforderung darstellen, machen andere aus dieser Herausforderung jetzt einen Wettbewerbsvorteil.

Vor Ihrer Rede beim PLM Innovation Forum haben wir mit der unternehmerisch tätigen Klimaaktivistin Rebecka Carlsson gesprochen, um zu diskutieren, was bisher passiert ist und was als nächstes kommt.

Vor ihren beachtlichen Erfolgen im Geschäftsleben hat sich Rebecka Carlsson aktiv in der schwedischen Politik auf globaler Ebene engagiert. So diente sie als politische Beraterin des stellvertretenden Ministerpräsidenten und als Ministerin für Klima und Umwelt. Vor dieser Zeit arbeitete Rebecka in der Jugendbewegung der Schwedischen Grünen “Grön Ungdom”.

Wie hat Ihr Engagement in der Jugendorganisation der Grünen und schließlich Ihre Wahl zu deren Sprecherin Ihre Haltung zum Geschäftsleben geprägt?

Nach der Schule fand ich mich in einem mit dem Klimawandel verknüpften, bewaffneten Konflikt im Norden Malis wieder. Und ich wurde mir sofort der Tatsache bewusst, dass, wenn wir den Klimawandel nicht stoppen, er die Grundlagen von Sicherheit und Wohlstand der Menschheit zerstören wird. Seit dieser Zeit habe ich versucht, meinen Beitrag dazu zu leisten, den Klimawandel aufzuhalten.

Alles, was ich bisher getan habe, Unternehmertum und Politk, zielte darauf, dabei zu helfen, den Klimawandel zu stoppen und gleichzeitig ein großartiges Leben zu leben, in dem ich mit Menschen zusammenarbeite, die ich liebe und Dinge zu erschaffen, die ich inspririerend finde.

Ich habe außerdem herausgefunden, dass die Zeiten, in denen ich mich entschieden habe, Unternehmen zu gründen, die auf Megatrends basieren, die wir spekulativ identifiziert haben, die besten Entscheidungen waren, die ich getroffen habe. Wie zum Beispiel die Gründung einer Sharing Economy Firma, als das Sharing gerade erst aufkam. Und ein veganes Lebensmittelunternehmen, das dem großen veganen Trend ein Stück voraus ist.

Ich glaube, dass es ein großes unternehmerisches Potenzial innerhalb der breiten Palette an Nachhaltigkeitstrends gibt, die auf uns zukommen. Und ich bin außerdem der Meinung, dass es eine bereichernde Erfahrung ist, an der Entstehung von etwas beteiligt zu sein, dass man selbst für wichtig und bedeutend hält.
Daher denke ich, dass meine Jahre in der Politik Einfluss darauf hatten, wie ich als Unternehmerin oder Unternehmensberaterin agiere. Indem ich die Erkenntnis gewonnen habe, dass alle unsere Handlungen Teil eines größeren Gesamtbildes oder einer größeren Bewegung sind.

Klimaprobleme haben während des letzten Jahrzehnts zunehmend kontroverse Debatten entfacht. In welchen Bereichen machen wir Fortschritte? Und was könnten wir besser machen?

Wir befinden uns wirklich in der Mitte eines gigantischen Wandels in Bezug auf Maßnahmen gegen den Klimawandel. Und das ist großartig. Denken Sie nur an die heute immer weitere Verbreitung findenden Lösungsansätze, die vor nur fünf Jahren noch undenkbar waren! Gleichzeitig hat die Orientierung zur Nachhaltigkeit gerade erst begonnen. Wie immer, wenn ein sozialer Kipppunkt erreicht ist, ändert sich das Verhalten der Mehrheitsgesellschaft sehr schnell. Oft beginnt die Situation zu kippen, wenn die ersten 10-20 % die neuen Verhaltensweisen adaptiert haben.

Wenn wir denken, dass heute schon sehr viel über Nachhaltigkeit geredet wird, ist das noch gar nichts im Vergleich dazu, was uns in den kommenden Jahrzehnten erwartet.

Das treibt die Nachfrage, die wiederum Triebkraft für Innovationen ist, welche wiederum die Unterstützung für eine noch progressivere Klimapolitik wachsen lässt. Und da haben wir dann einen sich selbst verstärkenden Kreislauf, der zu einem schnellen Wandel der Klimapolitik führt. Letztendlich wird sich eine neue Marktlogik etablieren, bei der Nachhaltigkeit zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil wird.

Es muss jedoch gesagt werden, dass wir uns diesem Wandel so schnell wie möglich mit ganzer Kraft widmen müssen, um weiter auf diesem Planeten leben zu können. Dazu müssen wir uns jedoch an die so genannte “Carbon Law” halten. Die Carbon Law besagt, dass die globalen Emissionen bis 2020 ihren Höhepunkt erreicht haben müssen, dass die Emissionen in jeder folgenden Dekade halbiert werden und dass wir die Emissionen bis 2050 auf Null gesenkt haben müssen.

Die gesamte Weltwirtschaft muss in den nächsten drei Dekaden klimaneutral werden. Das ist unsere Aufgabe. Wir müssen die Voraussetzungen für eine exponentielle Reduzierung der klimaschädlichen Emissionen schaffen.

Viele Unternehmen können sich sogar schneller bewegen, als es die Carbon Law erfordert. Die wirklich großen Chancen liegen jedoch in der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen, die es für viele weitere Beteiligte billiger, einfacher und attraktiver machen, ihre klimaschädlichen Emissionen schnell zu reduzieren. Nachhaltigkeit ist eine echte Teamaufgabe.

Wie beeinflussen Industrie 4.0-Technologien heute den positiven Wandel zum nachhaltigem Wirtschaften?

Die Industrie 4.0, oder exponentielle Technologie, löst zwar nicht automatisch das Klimaproblem, hat aber – wenn wir sie richtig einsetzen – das Potenzial, einen exponentiellen Wandel in Bezug auf klimaschädliche Emissionen zu ermöglichen.

Die Carbon Law ist sogar super langsam im Vergleich zu Moore’s Law, die darstellt wie sich Prozessorleistung und die Leistung vieler anderer Technologien innerhalb von 18-24 Monaten verdoppeln.

Würden wir das volle Potenzial der exponentiellen Technologie nutzen, um einen Wandel der Klimapolitik herbeizuführen, könnten wir den Klimawandel in fünfeinviertel Jahren stoppen.

Wenn wir die breite Palette exponentiell wachsender Technologien betrachten, finden wir einen ganzen Bereich, der perfekt geeignet ist, den Klimawandel schnell aufzuhalten. Von der Solar- und Windenergie bis zur Stromspeicherung. Künstliche Intelligenz zur Optimierung buchstäblich aller Bereiche. Robotik und Computertechnik erleichtern Sortiervorgänge. Recycling aller möglicher Materialien bis zu einer Präzisionslandwirtschaft. Und noch viel mehr.

Man kann nur schwer gegen eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen und nachhaltige Praktiken argumentieren. Tatsächlich gibt es einige der Technologien, denen wir uns jetzt zuwenden, schon seit einiger Zeit.

Die Erkenntnis in diesem Zusammenhang ist, dass in diesem späten Stadium Innovationen möglicherweise wichtiger sind als Erfindungen. Das Tempo, in dem wir unsere Technologie und unsere Praktiken verbessern können, wird sich zweifellos als essenziell für den Kampf gegen den Klimawandel erweisen.

Gibt es neue und nachhaltige “Krachertechnologien”, von denen Sie glauben, dass sie das Potenzial für dramatische und globale Auswirkungen haben?

Das größte Potenzial liegt in der Kombination mehrerer exponentieller Technologien mit einer Änderung des Verhaltens der Menschen, um Lösungen zu erarbeiten, die besser sind als das, was wir uns bisher vorstellen konnten.

Ein Beispiel ist das Unternehmen Lightyear, das mit Solarenergie betriebene Fahrzeuge herstellt. Zurzeit baut das Unternehmen eines der ersten mit Solarenergie betriebenen Familienautos. Es handelt sich also um ein Familienauto, das sich direkt durch die Kraft der Sonne bewegt. Ladestationen sind also nicht notwendig.

Was wird passieren, wenn Solarfahrzeuge autonom fahren? Wenn es autonom fahrende Einheiten gibt, die sich während der Fahrt selbst aufladen, ohne fossile Brennstoffe zu benötigen und sowohl Personen als auch Güter von A nach B befördern können?

Wir werden diese Fahrzeug teilen und nicht unser eigenes kaufen. Dadurch würden die Emissionen noch weiter gesenkt. Und was wird die Erfindung autonom fahrender Solarautos für die Stadtplanung bedeuten?

Werden wir in Städten leben oder auf dem Land, wenn wir auf dem ganzen Weg zu unserem Arbeitsplatz arbeiten oder schlafen können? Und was würde das für die Kreislaufwirtschaft bedeuten?

Abfälle sind einfach nur Materialien am falschen Ort.

Was wäre, wenn wir schon sehr bald alles autonom und ohne fossile Brennstoffe an einen Ort transportieren könnten, wo diese Materialien gebraucht oder vollständig recycelt werden könnten?

Ein exponentiell wirksamer Beitrag zum Aufhalten des Klimawandels wird durch die Erfindung sehr konkreter Lösungen in diesem Bereich möglich werden.
Es geht um Lösungen, welche die Bedürfnisse der Konsumenten ohne klimaschädliche Emissionen erfüllen, und sich dann exponentiell unter den Konsumenten ausbreiten.

Welchen Rat würden Sie Start-Ups und seit langer Zeit etablierten Organisationen gleichermaßen geben?

Den größten Unterschied hat für mich gemacht, ein Verständnis für die wissenschaftlichen Grundlagen der Nachhaltigkeit gewonnen zu haben. Exponentielle Technologien und die Möglichkeit für exponentielle Verhaltensänderungen und soziale Bewegungen.
Versuchen Sie, besser zu verstehen, wie schnell der Wandel wirklich vor sich geht. Und wie Sie dafür planen können. Man sollte nicht nur verstehen, dass sich die Dinge schnell ändern, sondern wie schnell dieser Wandel wirklich ist.
Wenn Sie das schaffen, glaube ich, dass Sie eine wesentlich bessere Basis dafür haben werden, Unternehmen zu entwickeln, die darauf ausgelegt sind, mit dem richtigen Schwung größere Wellen zu fahren.

Über die altruistische Natur ihrer Arbeit hinaus, ist es Rebecka Carlssons produktives unternehmerisches Einfühlungsvermögen, das sie zu einer so eindrucksvollen Persönlichkeit macht. Ihr Denken wird eindeutig von einem breit gefächerten Wissen und umfangreicher Erfahrung geprägt.

Rebeckas Offenheit für Erforschung, Zusammenarbeit und Innovation ist etwas, das wir bei TECHNIA in unseren eigenen Geschäftspraktiken reflektiert sehen.

Das PLM Innovation Forum ist die perfekte Plattform für Inspiration, Reflektion, Debatten und Netzwerken mit Ihren Kollegen.

Kommen Sie für zwei Tage mit TECHNIA, Rebecka Carlsson und weiteren inspirierenden Rednern zusammen, um mit anderen PLM-Praktikern von einigen führenden Innovatoren der Welt Netzwerke zu bilden.

Kontaktieren Sie uns, wenn Sie Fragen zur Nachhaltigkeit haben oder besuchen Sie uns auf dem PLM Innovationsforum 2019 in Stockholm vom 1. bis 2. Oktober.

Rebecka Carlsson
Gastrednerin, PLMIF 2019
Rebecka Carlsson ist eine Beraterin und Rednerin, die ihre Aufgabe darin sieht, Unternehmen dabei zu unterstützen, wie sie im gegenwärtigen Querschnitt von Nachhaltigkeit und exponentiellen Technologien neue Geschäftsmodelle entwickeln können. Rebeckas aktuelles Projekt ist Heureka Ventures, ein Studio, das sich voll und ganz der Entwicklung neuer, nachhaltiger Geschäftsideen widmet. Die meisten davon aus dem wegweisenden, natürlichen und kreativen Spektrum.