So innovativ und professionell die Baubranche auch ist: Wie oft werden Fristen nicht eingehalten und Budgets überzogen? Doch dieses Image, ineffizient zu sein, könnte sich ändern – dank der Digitalisierung.

Neues Paradigma: Lean Construction

“Die Digitalisierung wird es ermöglichen, Lean Construction nicht nur in einzelnen Prozessschritten, sondern in allen Teilbereichen eines Bauprojekts, vom Architekten bis zur Wartung, auf ein neues Level zu bringen”, sagt Kajsa Simu, Lean Managerin bei NCC, einem der größten schwedischen Bauunternehmen, und Forscherin an der Luleå University of Technology.

In ihrer Rede auf dem von TECHNIA organisierten Seminar über Digitalisierung in der Baubranche sagte Simu: “Unsere Branche ist zersplittert, unter vielen Akteuren herrscht immer noch ein Silodenken, sie haben kurzsichtig nur die eigenen Gewinne im Blick und erzielen damit suboptimale Ergebnisse“. “Lean Construction ist eine operative Strategie. Damit sie funktioniert, muss sich jeder Beteiligte die Kundenzufriedenheit als oberstes Ziel setzen“, führt sie aus.

Baugewerbe im Rückstand

Die schlanke Produktion wurde vom Automobilhersteller Toyota erfunden, um damit die Qualität zu steigern, bei gleichzeitiger Kostensenkung. Zu den Methoden gehören die Abfallminimierung, kontinuierliche Verbesserung, Flexibilität, Produktionsfluss und Sichtkontrollen. Alle Industrien nutzen heutzutage Lean-Methoden, doch die Baubranche hinkt hinterher: „Sichtkontrollen über den gesamten Prozess hinweg sind äußerst wichtig. Automobilhersteller können den ganzen Produktionsfluss überblicken. Im Baugewerbe kommen in den verschiedenen Produktionsphasen viele Spezialisten zum Einsatz und diese Zersplitterung steht den Sichtkontrollen im Wege“, so Simu.

Was kann Digitalisierung hier bewirken? „Sie erhalten eine virtuelle Darstellung des Produkts und des gesamten Prozesses. Und alle Beteiligten haben darauf Zugriff. Sie können Alternativen simulieren und ermitteln so den optimalen Ablauf für den ganzen Auftrag.“

Die Einstellung ändern

NCC setzt auf eine Verbesserung seiner Lean Construction und macht Digitalisierung zur Top-Priorität, mit einem besonderen Augenmerk auf Informationsstrukturen und Modelle, die die Kommunikation zwischen allen Beteiligten erleichtern. „Eine weitere Herausforderung besteht natürlich darin, die Einstellungen zu ändern. Die Verschlankung wirkt sich auf die Arbeitsweise aller Mitarbeiter aus und man muss verstehen, dass sie in Hinblick auf den gesamten Prozessfluss Werte schafft und nicht einzelne Teile des Prozesses voneinander trennt”, sagt Simu.